Regenbogenparade 2005 / CSD-Wien

Das wort “Block” assoziieren viele im zusammenhang mit umzügen oder demos oft mit etwas bedrohlichem: “Schwarzer Block”, “Autonomer Block”, krawall …

Und das solls auf der Regenbogenparade geben? Einer veranstaltung, die seit ihrem bestehen (1996) geprägt ist von toleranz und akzeptanz? Echt jetzt?

Na ja, ein bisschen furchterregend schauen die schon alle aus in ihrem meist schwarzem leder, mit ihren klirrenden ketten, den seilen und diversen schlaginstrumenten wie peitschen, paddels, reitgerten und ähnlichem … Und die können das auch wirklich benutzen, die knallen ganz wild in der gegend herum mit ihren bullwhips. Da könnte einem schon angst und bang werden.

Aber, liebe leserinnen und leser: Weit gefehlt – es ist alles ganz harmlos!

Bei diesem “Block” handelt es sich um drei vertreter*innen der österreichischen/wiener BDSM-szene – Libertine, LMC Vienna und Schwelle 7 – die heuer zufällig unmittelbar hintereinander im paradenzug der Regenbogenparade/CSD Wien um die Wiener Ringstraße ziehen werden.

Christian Michelides und "Porno-Jäger" Martin Humer

Christian Michelides und “Porno-Jäger” Martin Humer

Diese teilnahme der fetisch-/BDSM-szene hat in Wien schon lange tradition. Ich kann mich noch gut erinnern, als wir 1996 auf der ersten Regenbogenparade (übrigens eine wortschöpfung von Mario Soldo) als relativ kleine sm-gruppe am ende der parade in der Schottengasse/ecke Schottenring beisammen standen, stolz darauf dabei gewesen zu sein und amüsiert dem frivolen spiel von Christian Michelides (mit Andreas Brunner, Günter Strobl, Veit Georg Schmid und Hannes Sulzenbacher einer der initiatoren der parade) mit dem damals noch recht aktiven “Porno-Jäger” Martin Humer zusahen. Für den kam das ganze ja einem niedergang des abendlandes gleich: Lesben und schwule in der öffentlichkeit, die fröhlich und lautstark zeigten, dass es sie gibt und dass sie die gleichen rechte wie alle anderen staatsbürger*innen auch haben wollen! Und nicht nur 100, 200 oder 500 – alles in allem schätzte man damals ca. 25.000 teilnehmer*innen und schaulustige. Eine zahl, die in den folgejahren recht schnell um ein vielfaches anstieg. Und wir, die vertreter*innen der BDSM-szene waren nicht nur dabei, sondern mittendrin.

Und heute ist diese BDSM-szene ein fixer bestandteil der Wiener Regenbogenparade. Besonders die Libertine, die sich wie immer auch als gemeinsamer auftritt der vielen kleinen österreichischen BDSM-gruppen versteht, ist seit vielen jahren mit ihrer kutsche, die von menschlichen ponies gezogen wird, regelmäßg blickpunkt in zahlreichen medien. Diesmal am “Strengen Ende des Regenbogens”!

Und nach der parade sind alle ins SMart Café eingeladen, wo es essen und trinken für die paradeteilgenommenen geben wird.

Ich selbst blicke dem kommenden samstag leider mit einem weinenden auge entgegen: Aufgrund einer schweren bronchitis mit relativ hohem fieber wird es von mir – erstmals seit 22 jahren – keine fotos von einer regenbogenparade geben.

Dafür freu ich mich schon auf 2019, wenn Wien nach 2001 zum zweiten mal austragungsort der EuroPride sein wird!

Esther Crapélle

23. Regenbogenparade

Motto:  “Love, Respect and Solidarity”
Samstag, 16. Juni 2018 | ca. ab 14 uhr
Wiener Ringstraße
Start beim Wiener Rathaus
entgegen der normalen fahrtrichtung um den Ring herum

https://viennapride.at/regenbogenparade/

 


Fotos von der Regenbogenparade 2017

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